Der Naturjuiz*  braucht  keinen  Dolmetscher.    nach © Hermann Lahm
Wo  die  Sprache  aufhört,  fängt  der Naturjuiz*  an.   nach E.T.A. Hoffmann
© Edi Gasser
Lebenslauf
Juizen war in unseren voralpinen Gegenden allgegenwärtig. Gejodelt wurde vorwiegend in bäuerlichen Kreisen, bei der Arbeit in Feld und Stall, bei der Waldarbeit und sehr oft auch in bestimmten Handwerker Kreisen, so z.B. Zimmermann, Wagner, Schmied u.a.m. Nicht zu vergessen, auch Frauen sangen und juizten oft bei der Hausarbeit. Es sind aus heutiger, kultivierter Sicht „ungebildete“ Stimmen, dafür sind sie echt, authentisch, mit ausgeprägt regionalem Charakter, was Tongebung, Klangfarbe und Vokalisation anbetrifft. Die Freude an einer Melodie, tiefe, innere Befriedigung waren Beweggründe für sich allein zu juizen, sich von allen Zwängen um sich herum zu befreien - nicht um Beifall und Anerkennung von Aussenstehenden zu erheischen. Solche Jodel oder Jodelfragmente, die uns überliefert wurden, hatten früher keinen bestimmten Namen. Einfache, eingängige Jodelmelodien heute nennt man‘s „Ohrwürmer“ machten weitherum ihren Siegeszug. Vielleicht war es ein Knecht, ein Handwerker auf der Stör, der eine lieb gewonnene Melodie, einen „Heimweh- Juiz“ im Herzen mitnahm an die neue Arbeitsstelle. Vielleicht war es gerade umgekehrt, der Knecht kehrte mit einer ihm lieb gewordenen Melodie zurück nach Hause. Das gleiche weiss man auch von Begegnungen im Militärdienst. So wurde der gleiche Juiz weitherum verbreitet und konnte verschiedene Namen tragen. Man nannte ihn vielleicht nach einem Jodler, meist aber nach einem Ort, einem Heimwesen wo er häufig gesungen wurde. Irgend ein Name hat sich später durchgesetzt, spätestens dann, als man anfing Jodelmelodien aufzuschreiben. Eines muss man immer vor Augen halten, das musikalische Empfinden hat sich seither stark verändert. Heute jodeln wir nicht mehr wie vor achtzig Jahren. In Kursen wird Atemtechnik, Tongebung u.a.m. gelehrt. Das ist auch gut so. So mag der Vergleich mit der damaligen und der heutigen Vortragsweise eines Jodelvortrages interessant sein, gleiche Massstäbe z.B. in Tonkultur o.ä. anwenden zu wollen, wäre unrealistisch. Richtigerweise sollte man sich gedanklich in die damalige Zeit hinein versetzen, in eine Zeit wo keine Medien, keine Tondokumente wie Kassetten, Langspielplatten, CD‘s und vieles mehr, überall und zu jeder Zeit auf Knopfdruck abrufbar waren. Wer Musik hören wollte, musste selber Musik machen, selber singen und jodeln, selber ein Instrument spielen. Schon früh setzten sich Naturjuiz Kenner ein, den Naturjuiz in seiner ursprünglichen, urchigen und echten Art zu pflegen. Sie alle hatten einen schweren Stand. Denn diese einfache, „primitive Urmusik“ fand bei „gebildeten“ Leuten kaum Beachtung, sie passte einfach nicht ins kultivierte Musikverständnis der gehobenen Klasse. Der Spruch vom „Prophet im eigenen Land“ zeigt einmal mehr seine Berechtigung. So waren es bezeichnenderweise ausländische Musikforscher, z.B. der deutsche Wolfgang Sichardt, die sich für unser Kulturgut „Jodel“ interessierten, ihren musikalischen Wert erkannten, Ton-Aufnahmen machten und Forschungsberichte verfassten. (siehe Beispiele bei „anno dazumal“) Der Eidgenössische Jodlerverband, der sich die Erhaltung und Förderung des Naturjodels auf die Fahne schrieb, tat dem Naturjodel keinen Dienst, als er ganz gezielt das Jodellied förderte, dabei seine Interpretation streng reglementierte, nur Jodelvokalisation nach Grundschule akzeptierte und sogar Jodler-Silben vorschrieb. Damit erreichte er das Gegenteil. Statt, dass der Naturjodel zur vollen Pracht aufblühen konnte, musste er jahrelang ein Mauerblümchen Dasein fristen. Ein wohltuender Aufbruch ist in den letzten Jahren spürbar. Nicht nur in der Volksmusik, in verschiedenen Lebensbereichen findet eine Öffnung statt, man will sich von Einengendem befreien. Während das reglementierte Singen besonders Junge abhielt mitzumachen, ist das befreiende Juizen auch wieder für Junge interessant. Und diese Verjüngung tut gut. Auch wenn wir heute offener gegenüber anderen Musikstilen sind, gepflegter singen und jodeln, wichtig ist bei jedem Musizieren, und beim Jodeln ganz besonders: Das Herz muss mitschwingen, die innere Überzeugung muss spürbar zum Ausdruck kommen, denn jeder echte Naturjuiz trägt eine Botschaft. Diese Botschaft möchte ich erkennen. Das hilft mir zu verstehen, dass die Juiz so sind wie sie sind - und nicht so, wie ich sie vielleicht nach eigenem “kultiviertem” Gusto haben möchte. Edi Gasser 1995 Ein Naturjodel ist das authentische Spiegelbild der Seele (Adolf Stähli)
© Edi Gasser
Juizen war in unseren voralpinen Gegenden allgegenwärtig. Gejodelt wurde vorwiegend in bäuerlichen Kreisen, bei der Arbeit in Feld und Stall, bei der Waldarbeit und sehr oft auch in bestimmten Handwerker Kreisen, so z.B. Zimmermann, Wagner, Schmied u.a.m. Nicht zu vergessen, auch Frauen sangen und juizten oft bei der Hausarbeit. Es sind aus heutiger, kultivierter Sicht „ungebildete“ Stimmen, dafür sind sie echt, authentisch, mit ausgeprägt regionalem Charakter, was Tongebung, Klangfarbe und Vokalisation anbetrifft. Die Freude an einer Melodie, tiefe, innere Befriedigung waren Beweggründe für sich allein zu juizen, sich von allen Zwängen um sich herum zu befreien - nicht um Beifall und Anerkennung von Aussenstehenden zu erheischen. Solche Jodel oder Jodelfragmente, die uns überliefert wurden, hatten früher keinen bestimmten Namen. Einfache, eingängige Jodelmelodien heute nennt man‘s „Ohrwürmer“ machten weitherum ihren Siegeszug. Vielleicht war es ein Knecht, ein Handwerker auf der Stör, der eine lieb gewonnene Melodie, einen „Heimweh- Juiz“ im Herzen mitnahm an die neue Arbeitsstelle. Vielleicht war es gerade umgekehrt, der Knecht kehrte mit einer ihm lieb gewordenen Melodie zurück nach Hause. Das gleiche weiss man auch von Begegnungen im Militärdienst. So wurde der gleiche Juiz weitherum verbreitet und konnte verschiedene Namen tragen. Man nannte ihn vielleicht nach einem Jodler, meist aber nach einem Ort, einem Heimwesen wo er häufig gesungen wurde. Irgend ein Name hat sich später durchgesetzt, spätestens dann, als man anfing Jodelmelodien aufzuschreiben. Eines muss man immer vor Augen halten, das musikalische Empfinden hat sich seither stark verändert. Heute jodeln wir nicht mehr wie vor achtzig Jahren. In Kursen wird Atemtechnik, Tongebung u.a.m. gelehrt. Das ist auch gut so. So mag der Vergleich mit der damaligen und der heutigen Vortragsweise eines Jodelvortrages interessant sein, gleiche Massstäbe z.B. in Tonkultur o.ä. anwenden zu wollen, wäre unrealistisch. Richtigerweise sollte man sich gedanklich in die damalige Zeit hinein versetzen, in eine Zeit wo keine Medien, keine Tondokumente wie Kassetten, Langspielplatten, CD‘s und vieles mehr, überall und zu jeder Zeit auf Knopfdruck abrufbar waren. Wer Musik hören wollte, musste selber Musik machen, selber singen und jodeln, selber ein Instrument spielen. Schon früh setzten sich Naturjuiz Kenner ein, den Naturjuiz in seiner ursprünglichen, urchigen und echten Art zu pflegen. Sie alle hatten einen schweren Stand. Denn diese einfache, „primitive Urmusik“ fand bei „gebildeten“ Leuten kaum Beachtung, sie passte einfach nicht ins kultivierte Musikverständnis der gehobenen Klasse. Der Spruch vom „Prophet im eigenen Land“ zeigt einmal mehr seine Berechtigung. So waren es bezeichnenderweise ausländische Musikforscher, z.B. der deutsche Wolfgang Sichardt, die sich für unser Kulturgut „Jodel“ interessierten, ihren musikalischen Wert erkannten, Ton-Aufnahmen machten und Forschungsberichte verfassten. (siehe Beispiele bei „anno dazumal“) Der Eidgenössische Jodlerverband, der sich die Erhaltung und Förderung des Naturjodels auf die Fahne schrieb, tat dem Naturjodel keinen Dienst, als er ganz gezielt das Jodellied förderte, dabei seine Interpretation streng reglementierte, nur Jodelvokalisation nach Grundschule akzeptierte und sogar Jodler-Silben vorschrieb. Damit erreichte er das Gegenteil. Statt, dass der Naturjodel zur vollen Pracht aufblühen konnte, musste er jahrelang ein Mauerblümchen Dasein fristen. Ein wohltuender Aufbruch ist in den letzten Jahren spürbar. Nicht nur in der Volksmusik, in verschiedenen Lebensbereichen findet eine Öffnung statt, man will sich von Einengendem befreien. Während das reglementierte Singen besonders Junge abhielt mitzumachen, ist das befreiende Juizen auch wieder für Junge interessant. Und diese Verjüngung tut gut. Auch wenn wir heute offener gegenüber anderen Musikstilen sind, gepflegter singen und jodeln, wichtig ist bei jedem Musizieren, und beim Jodeln ganz besonders: Das Herz muss mitschwingen, die innere Überzeugung muss spürbar zum Ausdruck kommen, denn jeder echte Naturjuiz trägt eine Botschaft. Diese Botschaft möchte ich erkennen. Das hilft mir zu verstehen, dass die Juiz so sind wie sie sind - und nicht so, wie ich sie vielleicht nach eigenem “kultiviertem” Gusto haben möchte. Edi Gasser 1995 Ein Naturjodel ist das authentische Spiegelbild der Seele (Adolf Stähli)
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UJV Unterwaldner Jodler Vereinigung
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