© Edi Gasser
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Melodiewandel im Laufe der Zeit In   Feldaufnahmen   hat   der   deutsche   Musikwissenschaftler Wolfgang    Sichardt    u.a    im    Jahre    1936    in    Lungern    und Kerns    Jodelmelodien    aufgenommen.    Diese    Aufnahmen interessierten    mich    besonders,    um    den    Unterschied    zur heutigen   Aufführungs-Praxis,   bezüglich   Interpretation   der Naturjuiz   aufzuzeigen.   Damals   gab   es   weder   Noten   noch Tonkonserven.   Der   Jodler   sang   aus   dem   Gehör,   er   sang die   Melodie   so,   wie   er   sie   noch   in   Erinnerung   hatte   und interpretierte   sie   nach   eigenem   Empfinden   und   Können und   hat   sie   für   sich   „zurecht   gestutz“.   Die   Interpretation eines    alten    Naturjuizes    kann    man    vergleichen    mit    der Nacherzählung   einer   alten   Geschichte   aus   dem   Gedächt- nis.   Auch   da   wird,   entsprechend   der   Fabulierkunst   des Erzählers,   ausgeschmückt   und   frei   gestaltet,   der   Kern   der Geschichte aber bleibt erhalten. Wie beim Juiz!
Jodel-Melodien   erfuhren   im   Laufe   der   Zeit      immer   wieder kleine    Änderungen,    z.B.    ein    „Cheerli“    (ein    Melodiebogen) wurde   modifiziert.   In   einigen   wenigen   Fällen   ist   dies   auch heute    noch    der    Fall.    Die    verschiedenen    Interpretationen zeigen    wunderschön    wie    ein    Juiz    lebt    und    eine    eigene Dynamik   entwickelt.   Ähnliches   gilt   auch   für   die   „Namen“   der Jodel.   Der   gleiche   Juiz   lief   in   den   verschiedenen   Regionen unter   einem   andern   Namen   und   irgend   ein   Name   hat   sich schlussendlich      durchgesetzt,      spätestens      als      die      Jodel aufgeschrieben wurden. Wie erwähnt, die alten, traditionellen Natur-Juiz wurden mündlich überliefert. Das geschah bei der Arbeit auf den bäuerlichen Betrieben, aber auch bei der Waldarbeit oder auf der „Stör“ z.B. als Zimmermannen und besonders auch im Militärdienst.
_________________________________________________________________________________________________________   Es folgen Beispiele, welche die Interpretations-Freiheiten aufzeigen. Auch die Jodeltechnik ist nicht zu vergleichen mit heute. Ein Jodler machte sich darüber keine Gedanken, man juizte einfach, so wie man es überliefert bekam. _________________________________________________________________________________________________________  
  Obdesseler-Naturjuiz
Aufnahme-Datum: Sommer 1936 Aufnahme: Wolfgang Sichardt, Muskwissenschaftler Aufnahmeort Kerns Interpret A. Reinhard, Maler damals ohne Titelangabe heute als Obdesseler” bekannt
Zum Vergleich heute: Der “Obdesseler”  Naturjuiz in einer Aufnahme vom Jahre 1970 Interpret:  Stanser Jodlerbuebe ---------------------------------------------------------------------------------------- die “Obdesseler-Melodie” ist im ganzen Raum Unterwalden bekannt gewesen unter verschiedenen Namen: in Nidwalden  “Obdossen-Jodel” in Lungern “Gandegger”  (nach Neldi Ming)
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